Ein Berufspraktikum gewährt erste Einblicke

Im Oktober 2016 leistete Emma Rätze von der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf ein zweiwöchiges Berufspraktikum beim Finanzamt Bad Homburg ab. Warum für sie das Finanzamt die richtige Wahl für ein solches Praktikum war, beschreibt sie in ihrem Praktikumsbericht, den wir hier (in gekürzter Form) wiedergeben. Bei Emma bedanken wir uns sehr herzlich für ihre Erlaubnis, diesen Bericht auf unserer Homepage einzustellen.

Ein Berufspraktikum beim Finanzamt?

Meine bisherigen Berufsvorstellungen beschränkten sich bis zuletzt nur darin, dass mir mein zukünftiger Beruf Spaß machen und mich persönlich ausfüllen sollte. Letztes Jahr im Herbst, als ich mir überlegte, wo ich denn mein Praktikum im darauffolgenden Jahr ausüben könnte, überlegte ich mir, welcher Themenbereich für mich persönlich sinnvoll sei und mich bei meiner späteren Berufswahl weiterbringen könne. (...) Mein Mutter schlug mir das Finanzamt Bad Homburg vor. Anfangs war ich skeptisch, denn ich stellte mir darunter nur Büroarbeit vor. Jedoch kam ich dann zu der Erkenntnis, dass die Arbeit in einem Finanzamt wohl nie aussterben wird, denn Steuern und Abgaben wird es vorrausichtlich immer geben. Des Weiteren erfuhr ich, dass die Arbeit in einem Finanzamt nicht zwingend an das Büro gebunden ist. Außerdem lag das Finanzamt Bad Homburg zu diesem Zeitpunkt zentral in der Bad Homburger Innenstadt, weshalb es für mich aufgrund meines Wohnsitzes gut zu erreichen war. 

Als ich im Internet über die Berufsmöglichkeiten, die man mit bestimmten Abschlüssen von Ausbildungen im Finanzamt erlangen kann, las, wurde ich interessiert.  Besonders interessierte mich der Themenbereich der Steuerfahndung oder der Vollstreckungsabteilung. Zwischenzeitlich schickte ich auch eine Bewerbung an das Amtsgericht Bad Homburg. Da mich ebenfalls das Rechtsstudium interessiert, las ich über die verschiedenen Berufe, die man im Themenbereich Recht ausüben kann. Als ich jedoch, aus welchen Gründen auch immer, das Amtsgericht nicht erreichte, sagte ich dem Ausbildungsleiter des Finanzamt Bad Homburgs verbindlich zu, dass ich im Herbst 2016 mein Praktikum dort beginnen würde. Ich dachte mir, dass ich in den Ferien auch ein freiwilliges Praktikum in einem Gericht machen könnte, unabhängig von der Schule.

Ich kontaktierte den Ausbildungsleiter des Finanzamtes, Herr Gläser, über seine Emailadresse, schickte ihm per Post meine Bewerbungsunterlagen zu und kurz darauf kam auch schon die Zusage. Ich hatte demnach auch kein Bewerbungsgespräch. 

Meine Erwartungen an das Praktikum

Für mein Berufspraktikum erhoffte ich mir, Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche eines Finanzamtes zu erlangen und den Arbeitsalltag mitzuerleben. Außerdem interessiert mich das Thema Steuern, und da ich weiß, dass es im Finanzamt hauptsächlich um Steuern geht, freute ich mich, mehr zu diesem Thema zu erfahren. Schülerpraktikanten bekommen in Praktika meines Wissens nach oft Aufgaben, die nicht viel über den Beruf aussagen oder die jeder Ungelernte erledigen kann. Mir ist klar, dass die Betreuer Schülern, die sich nicht sonderlich mit den Themenbereichen auskennen, nicht besonders schwere Aufgaben zuteilen können, denn immerhin kann immer etwas schief gehen. Jedoch erhoffte ich mir für mein Praktikum, dass ich nicht nur Dokumente sortieren oder Kaffee holen müsste. Vorstellen könnte ich mir, dass ich unter der Aufsicht des Betreuers Aufgaben nachgehe, die dieser sonst erledigt, dadurch würde ich einen genauen Einblick in das Berufsfeld erhalten und dabei aufgrund von Erklärungen Dinge dazu lernen. Des Weiteren hoffte ich, dass ich mich in die verschiedenen Aufgabenfelder integrieren kann und insgesamt Spaß habe und in diesen zwei Wochen gerne zum Finanzamt komme. Es wäre zudem schön, wenn meine „Kollegen“ freundlich und offen zu mir sind, und ich keine Angst davor haben muss, auch mal Dinge nachzufragen. Außerdem erwartete ich, dass meine Betreuer ehrlich zu mir sind und nicht nur von den schönen Seiten ihres Berufes erzählen. Ich hoffte, dass ich gut mit meinen Kollegen zurechtkomme und dass die Aufgaben, die sie mir geben, zwar anspruchsvoll sind, ich diese aber bewältigen kann. 

Alles in allem würde ich am Ende meines Praktikums gerne herausgefunden haben, ob in den verschiedenen Aufgabenbereichen, die ich kennenlernen durfte, etwas dabei war, was mich mehr interessiert. Außerdem möchte ich wissen, ob einer der Berufe meine Erwartungen erfüllt hat und somit meinen Berufswunsch verstärkt, oder ob ich nach meinem Praktikum kein Interesse mehr an einem dieser Berufe für mich habe. Dann wäre das Praktikum auch nicht sinnlos gewesen, denn dann hätte ich eine sinnvolle Erkenntnis gemacht.

(...)

Was ich dann tatsächlich gemacht habe...

Am Freitag meiner ersten Praktikumswoche war ich einem G-Bezirk (...) zugeordnet. Am Tag zuvor war ich in der Umsatzsteuerstelle. Mein dortiger Betreuer zeigte mir am Ende dieses Arbeitstages, wo ich am nächsten Tag, also am Freitag den 07.10.2016, zugeordnet war und stellte mich den dortigen Mitarbeitern vor. Somit wusste ich, wo ich am nächsten Tag erwartet wurde und musste mich nicht im gesamten Finanzamt, welches doch sehr groß ist und mehrere Etagen und verschiedene Abteilungen hat, durchfragen und die Mitarbeiter im G-Bezirk wurden dadurch noch einmal zusätzlich daran erinnert, dass ich die nächsten zwei Arbeitstage dort verbringen würde.

Ich kam also an diesem Freitag um 8:30 in den G-Bezirk und wurde sehr nett empfangen. Mir wurde ein Tee angeboten und die drei Mitarbeiter dieses Bezirkes stellten sich mir vor. Die Sachbearbeiterin war eine junge Frau, der erste Mitarbeiter ein Mann und die 2. Mitarbeiterin war eine Frau namens Frau C., die auch an diesem Freitag und dem folgenden Montag für mich zuständig war. Sowie in jedem Gebiet, in dem ich vorher war, fragte sie mich, wie es mir bis jetzt gefiele und was ich denn schon über das Finanzamt wüsste. Alles was ich nicht wusste, erklärte sie mir ausführlich und verständlich. Natürlich fielen hierbei oft Begriffe, mit denen ich nichts anfangen konnte, doch meine Fragen beantwortete sie mir immer. Der G-Bezirk ist zuständig für die Kontrolle, ob Steuererklärungen abgegeben wurden, erstellt Steuerbescheide und schickt auch mal Mahnungen an Steuerpflichtige beziehungsweise deren Steuerberater. (...)

Um die Arbeit des G-Bezirks zu verstehen, musste ich den Aufbau einer Steuernummer nachvollziehen können.(...) Die ersten zwei Ziffern stehen für das Bundesland, in diesem Fall Hessen. Das jeweils zuständige Finanzamt erkennt man an den nächsten zwei Ziffern.  Die drei Ziffern 467 stehen für eine natürliche Person, also beispielsweise ein Angestellter, ein Mitarbeiter oder ein Arbeitnehmer. Die letzten fünf Ziffern sind ebenfalls zur Ordnung da. Sie stehen für die alphabetische Einordung anhand des Namens der Person. (...) Die Steuererklärungen werden dem Finanzamt elektronisch oder schriftlich zugesandt. (...) Damit das Dokument in die richtige Abteilung gelangt, muss es die Poststelle nach der Steuernummer sortieren und danach im jeweiligen Fach der Abteilung ablegen. Diese Aufgabe hatte ich an meinen ersten beiden Tagen im Finanzamt Bad Homburg. Die Dokumente werden dann von den zuständigen Personen eingesehen, in diesem Fall dem G-Bezirk und überprüft. Dafür wird ein Computersystem benötigt, welches alle Informationen des Steuerpflichtigen anhand der Steuernummer enthält.

An meinem ersten Tag im G-Bezirk habe ich bearbeitete Dokumente gemeinsam mit Frau C. in die Poststelle gebracht und den verschiedenen Gebieten zugeteilt. Außerdem habe ich fertige Briefe in ein Postfach gelegt. Danach sind wir zur Scannerstelle gegangen, um noch zu bearbeitende Dokumente einzuholen. Wir sind dann diese Dokumente gemeinsam durchgegangen, wobei mir Frau C. jeden Fall erläuterte. Danach haben ich mit ihr die Plätze getauscht und saß nun selbst am PC. Mit ihrer Hilfe habe ich dann Änderungen im System anhand der Schreiben beziehungsweise der Dokumente vorgenommen. Der erste Fall handelte von einem selbstständigen Zahnarzt,der Anteilhaber verschiedener Firmen, Betriebe und Gewerkschaften ist. Den Gewinn, den er durch seine Anteile erzielt, muss er natürlich versteuern. Steigt sein Gewinn, muss er demnach auch mehr versteuern. Ich habe dann im System den Betrag überprüft, der seinen Gewinn darstellt. Da sein Gewinn sich vergrößert hatte, musste ich den Betrag neu in das System eingeben. Des Weiteren musste ich prüfen, wieso und woran sich der zu versteuernde Betrag geändert hatte. Außerdem war noch wichtig zu überprüfen, ob der Steuerpflichtige die Änderung selbst veranlasst hatte oder ob das Finanzamt diese Information durch Einsehen in seine Konten erlangt hatte. An diesem Tag hatte ich mit mehreren ähnlichen Fällen zu tun.

Am Ende des Tages habe ich die Steuernummer eines Mannes geändert. Dafür benutzte ich das Steuersystem im Computer und  beschriftete seine Akte neu. Außerdem musste ich seine Akte in einem großen Regal einordnen, was mir anfangs schwerfiel, da ich das Ordnungssystem erst einmal durchblicken musste. Meine Betreuerin erklärte mir danach, dass nicht alle Schreiben einer Akte ewig aufbewahrt werden. Ältere Akten werden in einem großen Archiv aufbewahrt. Nach einer bestimmten Verjährungsfrist werden aber auch diese entfernt, da sich sonst zu viele Akten  einer einzigen Person ansammeln würden.

Im G-Bezirk bearbeitet man außerdem auch Aufträge, die inneramtlich verschickt wurden und in ihrem Postfach gelandet sind. Ich lernte, dass es für inneramtliche Mitteilungen verschiedene Vorgaben für die Arbeiter gibt, zum Beispiel, mit welcher Schriftfarbe Schreiben unterschrieben werden. Bei Änderungen verwende der G-Bezirk orange, für allgemeine Mitteilungen schwarz. Wichtig sind aber nicht nur die Art der Mitteilungen, sondern auch die Stellung der Person in der Behörde, die unterschreibt. Herr Gläser, der Sachgebietsleiter, verwendet einen blauen Stift, der Vertreter des Vorstehers einen roten und der Vorsteher, der also über allen steht, verwendet abschließend einen grünen Stift. Somit ist Ordnung gewährleistet und jeder weiß Bescheid, welche Person bereits zuständig war und den Fall schon bearbeitet hat.

Am vorletzten Tag meines Praktikums war ich in der Scannerstelle. In der Scannerstelle arbeiten drei Frauen, die sehr nett zu mir waren. (...) Am Vormittag ging ich mit einer der drei Frauen in den Scannerraum, um die nicht elektronischen Steuererklärungen einzuscannen. Danach hatte ich meinen eigenen Arbeitsplatz. Meine nächste Aufgabe war, die eingescannten Steuererklärungen, die aufgrund von Fehlermeldungen nicht im System gespeichert werden konnten, zu überprüfen. Meistens war die Ursache für diese Fehler Staub, Dreck oder Unleserlichkeit auf den Erklärungen. Bei dieser Überprüfung und Ausbesserung musste ich sehr genau sein und mir jeden Wert genau ansehen, da häufig beispielsweise nur eine Ziffer falsch war, diese aber große Auswirkungen im Nachhinein haben konnte. Anschließend habe ich Steuererklärungen, die elektronisch eingegangen waren, (...) freigeschaltet. Dies beanspruchte mich nicht sonderlich, da ich bei dieser Aufgabe nur Daten eingeben musste. Nachdem ich die Steuererklärung freigeschaltet hatte, musste ich die Erklärungen vorschriftsgemäß beschriften. Ich stempelte sie mit einem „Freigeschaltet am ..“ – Stempel ab und versah sie mit der Nummer des verantwortlichen Anwendungsbezirkes, damit diese Erklärung auch zu den für sie zuständigen Leuten gelangen konnte. Ich hatte hauptsächlich mit Einkommenssteuererklärungen von natürlichen Personen zu tun. Dabei musste ich darauf achten, dass Eheleute mit Steuererklärungen anders zu behandeln sind, da der Ehemann meist der Steuerpflichtige ist und somit zuerst betrachtet und angeschrieben wird.

In der Scannerstelle war zu dem Zeitpunkt, an dem Ich da war, nicht viel Arbeit zu verrichten, da zu dieser Zeit des Jahres eher weniger Steuererklärungen eingereicht werden. Dies liegt daran, dass die Frist für die Abgabe der Steuererklärung bereits ein paar Monate vorher abgelaufen war und die meisten Menschen ihre Erklärungen bereits abgegeben hatten.

Abschließend zu meinem Tag in der Scannerstelle kann ich sagen, dass es mir Spaß gemacht hat mit den Frauen zu arbeiten, da sie ein lockeres Miteinander pflegten und mich mit einbanden. Die Arbeiten, die ich zu verrichten hatte, waren nicht sehr anspruchsvoll für mich. Ich brauchte meine Konzentration nur dafür, dass ich die Daten genau überprüfte und ohne Fehler in das System eingab. Jedoch bereue ich es nicht, in dieser Abteilung des Finanzamts gewesen zu sein, da ich mit diesem Tag wieder mehr über die verschiedenen Aufgaben lernte, die im Finanzamt verrichtet werden. Außerdem wurde mir wieder bewusst, wie wichtig jeder Arbeitsbereich ist, damit die anderen Arbeitsbereiche ihren Pflichten nachgehen können.

(...)

Und wie war es nun?

Zu meinem Praktikum kann ich sehr begeistert sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht, und ich definitiv viel gelernt habe. Ich kann überzeugt sagen, dass ich froh bin, dass meine Wahl auf diese Behörde gefallen ist.

Das Arbeiten im Finanzamt Bad Homburg hat mir Freude bereitet. Ich denke ein Grund dafür war, dass die Menschen dort alle sehr nett und höflich mit mir umgegangen sind und man dort ein freundschaftliches Miteinander pflegt, und es nie Unstimmigkeiten gab. Dies bewirkte, dass das Arbeitsklima sehr entspannt und fröhlich geprägt war. Darüber war ich sehr froh, da ich dachte, in einer Behörde würden die Mitarbeiter sehr auf Leistung und Arbeit fixiert sein. Mir wurde von allen beteuert, dass es kein Problem sei, wenn ich Fragen hätte und dass ich diese ruhig stellen sollte.

Insgesamt haben sich meine Betreuer sehr zuvorkommend um mich gekümmert. Da das Finanzamt mehrere Stockwerke hat und die Abteilungen sehr leicht zu verwechseln sind, dachte ich, ich müsste versuchen, alleine zurecht zu kommen und mich eben durchfragen. Doch das war nicht der Fall. Jeder Betreuer, bei dem ich war, führte mich in den Bezirk, in dem ich am nächsten Tag sein würde. In den Mittagspause kamen auch Kollegen aus anderen Bezirken in andere Bezirke und gesellten sich zu den anderen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Jemand, mit dem ich nicht zusammen gearbeitet hatte, hat mich sogar eingeladen mit den anderen Mittag zu essen, und er hat außerdem das Essen für mich mit bestellt obwohl er gar nicht dafür zuständig war. Dies hat mir auch ein Zugehörigkeitsgefühl vermittelt.

Zu meinen Tätigkeiten kann ich sagen, dass ich durch sie viele Erkenntnisse erhalten haben. Ich habe einen tiefen Einblick in den Berufsalltag bekommen und gesehen, wie viele unterschiedliche Abteilungen nötig sind, damit das Finanzamt ohne Probleme seine Aufgaben erledigen kann. Dafür ist natürlich auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Bezirke notwendig. Außerdem fand ich es spannend, jeden beziehungsweise fast jeden Tag in einen anderen Zugehörigkeitsbereich reinzuschnuppern. Dies war aber eine zusätzliche Herausforderung, denn jedes Mal musste ich mich auf neue Kollegen einstellen. Zu diesem Aspekt kann ich aber sagen, dass ich damit eine gute Erfahrung gemacht habe. So konnte ich immer wieder üben, mich auf neue Menschen  einzustellen und mich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden.

Abschließend kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden bin, im Finanzamt mein Praktikum gemacht zu haben, und dass ich es in Betracht ziehe, nach meinem Abitur ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin aufzunehmen.